Mobilitätskonzepte

WAS DU LERNEN KANNST

Wohin wir fahren

Wir stehen an der Schwelle zu einer völlig neuen Mobilität. Nichts scheint mehr sicher. Was heute noch die Welt dominiert, kann morgen schon vergessen sein. Die Möglichkeiten mobil zu sein, sind zahlreicher denn je. Was geht heute schon? Wie komme ich möglichst einfach von A nach B?

Ein Smart ED von Car2go färht durch Stuttgart (Bild: © Daimler AG).
Ein Smart ED von Car2go färht durch Stuttgart (Bild: © Daimler AG).

Multimodawas?

Mobilitätskonzepte bedeuten immer mehr, verschiedene Verkehrsmittel intelligent miteinander zu verknüpfen. Unter dem Stichwort „Multimodalität” ist dieses Prinzip zusammengfasst. Das Ziel ist, dass wir für jeden Weg das richtige Vekehrsmittel finden. So entlasten wir nicht nur die Straßen, sondern kommen auch schneller, komfortabler und günstiger an unser Ziel. Das Internet und die zunehmende Digitalisierung macht dabei Mobilität immer mehr zur Dienstleistung.

In vielen Städten braucht es weder ein eigenes Auto vor der Tür, noch ein Fahrrad im Keller oder eine Jahreskarte für die Öffis um nahezu uneingeschränkt mobil zu sein. Neben den Klassikern kommen immer neue Angebote dazu.

Die Klassiker

Die einfachste Methode mobil zu sein sind Schusters Rappen. Unsere Füße tragen uns dahin, wo wir wollen. So können wir in unserem nächsten Umfeld alle Ziel unkompliziert erreichen.

Laufen und radeln

Ist es zu weit zum Laufen, können wir das Fahrrad nehmen. Messen wir die Eurobike in Friedrichshafen zeigen Jahr für Jahr, dass das Angebot nahezu unendlich ist. Durchdachte Fahrradtaschen, die sich mit einem Klick zur modischen Umhängetasche verwandeln, lösen viele Transportprobleme. Ist es bergig wie in Stuttgart hilf der Elektromotor von E-Bikes und Pedelecs, dass man das Ziel nicht völlig durchgeschwitzt erreicht.

Die Öffis

Schneller geht es in der Stadt mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln. Alle größeren Deutschen Städte verfügen über ein mehr oder weniger gut ausgebautes Nahverkehrssystem. Ein Hemmschuh sind komplizierte oder teure Tarife oder schlechte Verbindungen. Im Ländlichen Raum sind vielerorts die Busverbindungen sehr schlecht und nicht auf die Takte der Nahverkehrszüge abgestimmt.

Die Bahn kommt (irgendwann)

Das wohl meist gehasste und gleichzeitig meist geliebte Verkehrsmittel ist die Deutsche Bahn. Viele unternehmerische und politische Entscheidungen haben aus der einst modernsten Eisenbahn Europas einen Sanierungsfall gemacht.

Inzwischen versucht die Bahn zumindest im Personenverkehr die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Und trotz allem nutzen viele Menschen die Bahn im Nah- und Fernverkehr. Tatsächlich steigt die Zahl der Fahrgäste seit Jahren.

Dabei ist die Bahn auf vielen innerdeutschen Verbindungen schneller und komfortabler als das Auto oder gar das Flugzeug. Wie schön Bahnfahren aber wirklich sein kann, sehen wir wenn wir zu unseren Nachbarn nach Österreich und vor allem ins Bahnmusterland Schweiz schauen.

Nichtsdestotrotz ist die Bahn heute schon ein ideales Verkehrsmittel, das sich besonders gut mit anderen Angeboten verknüpfen lässt. In Baden-Württemberg lässt sich im Nahverkehr zu vielen Zeiten auf nahezu allen Verbindungen kostenlos das Fahrrad mitnehmen. Und auch im Fernverkehr hat nun der ICE der neuesten Generation wieder ein Fahrradabteil.

Bahnhöfe liegen verkehrsgünstig und fügen sich meist nahtlos in das Mobilitätsgefüge ein. Busse und Bahnen fahren sowieso zum Bahnhof. An vielen Bahnhöfen gibt es zudem stationäres Car- und Bikesharing.

Also selbst mit dem Auto fahren?

Wer weder laufen, noch radeln möchte und keine Lust auf Bus und Bahn hat, dem bleibt das Auto.

In Stuttgart und vielen anderen Städten entscheiden sich dann auch die meisten Menschen dafür, ihre Wege mit dem Auto zurückzulegen. Das Ergebnis ist bekannt. Schlechte Luft, Dauerstau und ständig auf der Suche nach einem Parkplatz. Mehr Straßen und mehr Parkplätze sind kaum eine Lösung, zumal in Stuttgart auch gar kein Platz für zusätzliche Straßen wäre.

Es braucht also andere Lösungen. Und da kommen Internet, Smartphone und die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung gerade rechtzeitig.

Alles bleibt anders

„Vergiss das eigene Auto, vergiss das Fahrrad, vergiss den Zug – ich bin die neue Mobilität. Ich bin anders, ich bin aufregend. Mit mir reist du komfortabel und ich bringe dich sicher ans Ziel.” So oder so ähnlich könnte ein Werbespot für ein autonomes Carsharing klingen. Aber sind wir wirklich schon so weit, dass wir uns vom eigenen Auto, unserem Fahrrad und der Bahn verabschieden können?

Fest steht, dass uns heute viel mehr Möglichkeiten offen stehen, um Mobil zu sein. Kein eigenes Auto – kein Problem. Keine Lust selbst zu fahren – kein Problem. Aber verschaffen wir uns doch mal einen Überblick.

Teilen statt besitzen

Die Idee ist gar nicht so neu. Schon in den 1960er Jahren hat man darüber nachgedacht Autos der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. 1974 installierte eine Kooperative das „Witkar”-System in Amsterdam. Etwa zehn Jahre hielten sich die kleinen futuristischen Elektroautos. Ende der 1980er Jahre gründeten sich in Deutschland Vereine mit dem Ziel Autos zu teilen.

Aber ohne Smartphones und Internet, stationsgebunden und wenig flexibel fristete das Carsharing lange ein Nischendasein unter Idealisten. Erst mit dem Smartphone und einfachen Apps gelang dem Carsharing der Durchbruch. Heute gibt es keine größere Stadt mehr in der nicht mindestens eine große Carsharing Flotte unterwegs ist.

Car2go

In Stuttgart ist Car2go mit seiner freefloating Flotte von über 500 elektrischen Smarts und 50 elektrischen Mercedes B-Klassen am deutlichsten sichtbar und der Platzhirsch. Die Autos können jederzeit innerhalb des Geschäftsgebiets, dass sich von Böblingen/Sindelfingen über den Flughafen bis Esslingen erstreckt angemietet und wieder abgestellt werden. Car2go rechnet nach Minuten ab, eine Grundgebühr gibt es nicht.

Wer bei Car2go angemeldet ist kann die Autos in allen europäischen Städten nutzen, in denen Car2go vertreten ist. Wer Car2go nutzen möchte muss mindestens 18 Jahre alt sein und seit mindestens einem Jahr im Besitz eines gültigen Führerscheins sein.

Stadtmobil

Der zweite große Carsharing in Stuttgart ist Stadtmobil. Im Gegensatz zu Car2go sind die Fahrzeuge bei Stadtmobil stationsgebunden. Das heißt sie können nur an über das Stadtgebiet verteilten Stationen angemietet und abgestellt werden. Neben Pkw in verschiedenen Klassen und Größen gibt es bei Stadtmobil auch Kleintransporter.

Eine Wartezeit nach dem Führerscheinerwerb gibt es bei Stadtmobil nicht. Im Gegensatz zu Car2go fallen bei Stadtmobil monatliche Grundgebühren an. Dafür sind die Nutzungpreise für die Autos deutlich günstiger. So ist es auch kostengünstig möglich ein Fahrzeug über ein Wochenende oder eine Urlaubsfahrt zu nutzen.

Stadtmobil bietet Tarife für verschiedene Nutzergruppen an. Etwa für Familien, Studierende oder Firmen und Institutionen.

Andere Anbieter

Sowohl beim stationsgebundenen wie auch beim freefloating Carsharing gibt es noch zahlreiche andere Anbieter.

Beim Stationsgebundenen Carsharing gibt es sowohl kleine als Verein organisierte Anbieter wie Teilauto in Tübingen oder Reutlingen. Aber auch große kommerzielle Anbieter wie Flinkster der Deutschen Bahn. Daneben gibt es noch touristische Angebote oder geförderte Projekte im Ländlichen Raum.

Neben Car2go ist DriveNow von BMW der größte Anbieter von freefloating Carsharing. In verschiedenen Städten gibt es weitere lokale Anbieter wie Citroëns Multicity in Berlin.

133 Carsharing-Anbieter sind im Bundesverband Carsharing (bcs) organisiert. Insgesamt gibt der Bundesverband an, dass es in Deutschland 155 Carsharing-Anbieter gibt. Anfang 2017 waren insgesamt 1,715 Millionen Carsharing-Kunden registriert. Deutschlandweit teilen sie sich sich 17.200 Fahrzeuge  Damit kommen etwa 99 Fahrberechtigte auf ein Fahrzeug. Anfang 2017 gab es in 597 deutschen Städten und Gemeinden Carsharing-Angebote.

Mein Rad, dein Rad

In noch mehr Städten gibt es inzwischen die Möglichkeit ein Fahrrad zu nutzen statt zu besitzen. Bikesharing funktioniert derzeit in der Regel stationsgebunden. Pioniere waren hier sicher Call-a-Bike von der Deutschen Bahn. Die überschaubare Zahl von Stationen in vielen Städten machten das Angebot aber nicht unbedingt attraktiv.

In Deutschland hat die Stadt Mainz als mit eine der ersten ein stationsgebundenes Bikesharing mit einem sehr dichten Stationsnetz aufgebaut. MVGMeinRad hat sich so schnell in der Stadt etabliert und heute sind die gelben Fahrräder nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken. Spezielle Tarife machen das System besonders für die über 40.000 Studierenden in der Stadt attraktiv. So bietet das System eine perfekte Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr.

Der Erfolg des Mainzer Systems hat sich schnell in anderen deutschen Städten rumgesprochen. So gibt es in Karlsruhe etwa das „Fächerrad”. Dabei setzen immer mehr Anbieter auch auf E-Bikes. Die Reichweiten von 50 bis 100 Kilometer sind für die Stadt abolut ausreichend und die Fahrräder können in der Station zwischen ihren Einsätzen automatisch aufladen.

Inzwischen drängen immer mehr Bikesharing-Anbieter in den Großstädten auf den Markt. Dabei geht der Trend auch hier mehr zu Freefloating-Flotten.

Das neue Taxi?

Taxis sind in Städten weltweit eine Intitution. Es gibt wohl keine Stadt auf der Welt, in der nicht Taxis die Menschen von A nach B bringen, Kurier- und Krankenfahrten machen und dabei mancherorts das Stadtbild entscheidend mitprägen. New York ohne seine „Yellow Caps” oder London ohne seine „Black Caps” sind kaum vorstellbar. Doch das motorisierte Taxigewerbe, das fast so alt wie das Auto selbst ist, wird ebenfalls von der Digitalisierung angegriffen.

In Deutschland und anderen Ländern ist das Taxigewerbe und die Personenbeförderung streng reglementiert. In diesem engen Korsett können kaum neue Geschäftsmodelle entstehen.

Das amerikanische Unternehmen Uber hat es trotzdem versucht. Uber vermittelt über eine App Fahrten, die von Privatpersonen mit dem eigenen Auto angeboten werden. So ist Uber eine virtuelle Taxizentrale ohne eigene Autos oder angestellte Fahrerinnen und Fahrer. Da Uber so die teilweise kostspieligen Regularien und die Lohnnebenkosten umgehen kann, sind die Fahrten mit Uber in der Regel günstiger als mit dem herkömmlichen Taxi.

Die deutschen Taxiunternehmer haben sich mit Erfolg vor Gericht dagegen gewehrt, dass Uber ihr Geschäftsmodell untergräbt. Zur Zeit ist Uber in Deutschland nur noch in München und Berlin aktiv und hat sich hier weitestgehend den Regularien zur Personenberförderung unterworfen.

In anderen Ländern – vor allem im Gründungsland USA – ist Uber in vielen Städten aber zwischenzeitlich ein etabliertes Verkehrsmittel. Das Geschäftsmodell von Uber sorgt aber wegen der teilweise prekären Beschäftigungssituation der Fahrerinnen und Fahrer für Kritik.

Daumenexpress 4.0

Wenn das Ziel nicht mehr im eigenen Ort liegt gibt es auch alternativen zum eigenen Auto. Früher bedeutete die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit am Schwarzen Brett der Uni oder in der Mitfahrzentrale den Aushang mit der passenden Mitfahrgelegenheit zu finden. Oder man stellte sich an den Straßenrand und hielt in der Hoffnung, dass jemand mit dem gleichen Ziel anhält, den Daumen raus. Der sogenannte Daumenexpress.

Das machte die Mitfahrgelegenheit nicht wirklich komfortabel und auch nicht sehr sicher. Hieß es doch in aller Regel bei wildfremden Menschen mitzufahren.

Heute gibt es den Daumenexpress 4.0. Statt an der Straße den Daumen in die Luft zu halten, reichen ein paar Wischs mit ihm über das Smartphone, um eine Mitfahrtgelegenheit zu finden. Die Nutzer müssen sich registrieren und verifizieren. Bewertungen vorheriger Mitfahrerinnen und Mitfahrer, geben eine Einschätzung, mit wem es auf die Reise geht. Für Frauen gibt es die Option ausschließlich Frauen mitzunehmen oder nur bei Frauen mitzufahren.

Mitfahren ist dank Smartphone also nicht nur komfortabler, sondern auch sicherer geworden. Vorher vereinbarte Preise ersparen böse Überaschungen am Ende der Reise.

Der größte Anbieter in Europa ist BlaBlaCar. Andere Anbieter sind Fahrgemeinschaft.de, Besser Mitfahren, Mitfahren.de oder die Mitfahrzentrale.

Umwelt schützen, Bus benützen

Seit wenigen Jahren dürfen Busunternehmen Linienverkehr zwischen deutschen Städten anbieten. Wer also keine Lust auf engen menschlichen Kontakt in der Mitfahrgelegenheit hat und wem die Bahn zu teuer ist, dem steht nun der Fernbus zur Verfügung.

In der Anfangszeit drängten viele Anbieter auf den Markt und lieferten sich eine zerstörerische Preisschlacht. Viele haben es nicht überlebt, andere haben sich zusammengeschlossen. Flixbus Mein Fernbus ist inzwischen der größte Fernbusanbieter in Deutschland. Sie bieten inzwischen zahlreiche Linienverbindungen innerhalb und ins europäische Ausland an.

In Deutschland hält sich neben dem Branchenprimus derzeit noch Dein Bus, IC-Bus und Eurolines/Touring, die aber deutlich weniger Verbindungen anbieten oder wie Eurolines den Fokus auf den europaweiten Verkehr haben.

Mit speziellen Metasuchmaschinen lassen sich europweite Verbindungen suchen und vergleichen.

Video: BR, Fahrrad fahren in Kopenhagen

Der Tarifplan von München ist für Uneingeweihte kaum verständlich (Quelle: MVV).
Der Tarifplan von München ist für Uneingeweihte kaum verständlich (Quelle: MVV).

Eine Karte für fast alle öffentlichen Verkehrsmittel

Die niederländische OV-Chipkarte (Openbaar Vervoer, dt. Öffentlicher Verkehr) ist gültig in Stadt- und Überlandbussen, Zügen, Amsterdamer, Haager und Rotterdamer Straßenbahn, der Utrechter Stadtbahn, Amsterdamer und Rotterdamer Metro und auf den Fährschiffen Fast Flying Ferry, Veolia Transport Fast Ferries und Waterbus Rotterdam-Drechtsteden.

Eine niederländische OV Chipkaart (Bild: flickr.com/Franklin Heijnen CC BY SA).
Eine niederländische OV Chipkaart (Bild: flickr.com/Franklin Heijnen CC BY SA).

Video: Witkar Amsterdam (englisch)

Freefloating Carsharing

Nutzer können die Fahrzeuge innerhalb eines definierten Geschäftsgebiets anmieten und wieder abstellen. Eine App zeigt wo sich in der Nähe ein freies Auto befindet und bietet die Möglichkeit das Fahrzeug für 30 Minuten zu reservieren. Die Abrechnung erfolgt in der Regel im Minutentakt. Je nach Fahrzeugtyp können sich die Preise unterscheiden. Eine monatliche Grundgebühr gibt es nicht.

Stationsgebundenes Carsharing

Fahrzeuge verschiedener Größen und Klassen können an festen Stationen ausgeliehen und wieder zurückgegeben werden. Ist eine monatliche Grundgebühr fällig, sind die Mietpreise in der Regel günstiger als beim freefloating Modell.

 

Video: Campus TV Mainz, MVGMeinRad

Video: Explain It, Was ist Uber?

Moderne Mobilität bedeutet, für jeden Weg das beste Verkehrsmittel zu finden. Das Smartphone hilft dabei immer mehr die Verkehrsmittel miteinander zu verknüpfen. So kommen wir einfacher, komfortabler und günstiger an unser Ziel.

Video: Die Prenzelschwäbin, Mitfahrgelegenheit

Bewertungen bei Mitfahrvermittlern sollen solche Begegnungen vermeiden.

Mul-ti-mo-da-li-tät, die: → Intermodalität, die: Ein Verkehrssystem wird als multimodal bezeichnet, wenn den Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern für ihre konkreten Mobilitätsbedürfnisse mindestens zwei Verkehrsmittelalternativen zur Verfügung stehen.

Multimodales Verkehrsverhalten einer Person ist die tatsächliche Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel in einem bestimmten Zeitraum.

Quelle: Technische Universität Wien

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